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Wie alt ist Dörlinbach wirklich

Lesedauer: 3 Minuten

Quellen besagen älter als Schweighausen

Das Alter unseres Dorfes haben wir schon einmal kurz in dem Blog-Beitrag „Das Dörlinbacher Wappen“ vom 1. Februar 2021 angerissen. Auch der Heimathistoriker und „Altvater“-Autor Emil Ell nahm sich vor fast 50 Jahren diesem Thema an. Der gebürtige Friesenheimer schrieb damals auf einer Sonderseite zum Dorfjubiläum „750 Jahre Dörlinbach“ in der Lahrer Zeitung:

Der Dorfkern Dörlinbachs Ende der 1960er-Jahre mit der 1923 errichteten Kirche und ihrem neuen Turm aus dem Jahre 1959.
„Wenn die Jubiläumsgestalter der Gemeinde Dörlinbach der absolut sicheren Urkunde des Jahres 1225 folgten, obwohl Ruppert fünfzig Jahre zuvor das Jahr 1132 nannte, das Jahr also, das die Konsekration der Dörlinbacher (auch der Wittelbacher und der Schweighausener) Kapelle brachte, so ging man vermutlich von der Realität aus, der urkundlich vorliegenden Sicherheit Vorrang zu geben.“
Eine Luftaufnahme von Dörlinbach aus der zweiten Häfte 1960er-Jahren.
Blick vom Oberrain auf den Dorfkern mit dem alten Kapellchen. Ist vermutlich die älteste Aufnahme von Dörlinbach.
Heimathistoriker Ludwig Heizmann (1867 bis 1941) hingegen räumte Schweighausen (1132) und Wittelbach (1144) frühere Erwähnungen ein. Allerdings ging Heizmann schon detaillierter auf Dörlinbach ein als der Historiker und Archivar Philipp Ruppert (1842 bis 1900), der 1885 nur wenige Zeilen zu Dörlinbach schrieb. Heizmann berief sich auf die päpstliche Urkunde 1225, in der Dörlinbach erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Ort verdankt seine Entstehung dem Kloster Ettenheimmünster. Vom Kloster ging der Anbau das Tal hinauf. Demnach überschritten Klosterleute die Waldhöhe und ließen sich in der Wildnis des hinteren Schuttertals nieder. Mittelpunkt des Ortes wurde ein kleines Kirchlein, dass die Dörlinbacher allerdings im Jahre 1922 dem Erdboden gleich machten, um auf dem Gelände eine neue Kirche zu errichten. Auch Heizmann erwähnt, dass am gleichen Tag als in Wittelbach die Kirche vom Bischof in Konstanz (ein Mitbruder des damaligen Abts von Ettenheimmünster) konsekriert wurde auch das Dörlinbacher Kirchlein seine Weihe erhielt.

Besiedlung zwischen 900 und 1000 nach Christus

Im Jahre 2019 feierte Schweighausen sein Ortsjubiläum. Dort wurden 800 Jahre gefeiert. Deren früherer Pfarrrer (von 1775 bis 1794), Pater Bernadus Stöber (1740 bis 1817), war auch für Dörlinbach zuständig. Pater Bernadus schrieb die Chronik der Klosterbesitzungen im Oberen Schuttertal. Darin heißt es unter anderem: „Das ist gantz sicher, das der gantze orth, der jetz Schwaighausen genannt wird, im Jahre 900 noch eine völlige Wildnis gewesen sey, und das der orth von dieser Zeit hat angefangen bewohnt zu werden. Das ist auch gewiß, das die Einwohner sowohl hier als zu Dörlinbach, welcher orth älter ist als Schwaighausen, in den Religiosen unseres Klosters anfänglich seynd versehen worden, gleichwie sie im Zeitlichen dem Kloster unterworfen waren.“ Eine überzeugend wirkende Darstellung. Nimmt man diese Darstellung als gegeben hin, so Heimathistoriker Emil Ell, könnte die Besiedlung des Raums Dörlinbach zwischen 900 und 1000 nach Christus erfolgt sein, und somit früher als die Besiedlung des Raums Schweighausen. Denn auch Pater Bernadus nahm an, dass die Erkundung „über den Berg“ zuerst in Richtung Dörlinbach, also über den „Dörlinbacher Grund“ geführt hatte.

Veröffentlicht vom 16. März 2021 / red

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