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Straßenbahn bald auch ins Schuttertal

Lesedauer: 3 Minuten

Kleine Meldung sorgte zunächst für Verwirrung

Am Freitag, den 29. Dezember 1995, herrschte Erstaunen unter den Lesern der Badischen Zeitung. War es wirklich wahr? Sollte eine Straßenbahn ins malerische Schuttertal kommen? In einem kleinen Artikel wurde vermeldet, dass der Gemeinderat der Stadt plant, das Lahrer Nahverkehrsnetz bis zum Jahr 2012 erheblich zu erweitern, und die Strecke bis nach Schuttertal ein Teil dieses Vorhabens sein könnte.

Bei der Landesgartenschau 2018 in Lahr wurde an die „Entenköpfer“-Zeiten erinnert. Das alte Bähnle umrahmt von einem Blumenmeer.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Schienenverkehr im Schuttertal nicht neu ist. Viele werden sich sicherlich noch an die legendäre „Entenköpfer“-Bahn erinnern – jene Schmalspurbahn, die seit dem späten 19. Jahrhundert die Verbindung zwischen Schuttertal, Kehl und Straßburg herstellte. Der Name „Entenköpfer“ stammt nicht von ungefähr: Unzählige Male musste die Lokalbahn schon unvorsichtige Enten aus dem Weg räumen, die über die Gleise huschten.
Bei der Landesgartenschau 2018 in Lahr wurde an die „Entenköpfer“-Zeiten erinnert. Das alte Bähnle umrahmt von einem Blumenmeer.
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Bei der Landesgartenschau 2018 in Lahr wurde an die „Entenköpfer“-Zeiten erinnert. Das alte Bähnle umrahmt von einem Blumenmeer.
Obwohl der „Entenköpfer“ sicherlich niemals wieder auf die Schienen zurückkehren wird, klingt die Vorstellung einer modernen Straßenbahnverbindung nach Schuttertal verlockend. Ein aufmerksamer Leser bemerkte jedoch schnell, dass die Nachricht in der Rubrik „Notizen aus der Stadt – in 15 Jahren notiert“ stand und lediglich das Wunschdenken einer Gymnasiastin darstellte. Diese 17-jährige Schülerin des Scheffelgymnasiums hatte eine Vision skizziert, die unbeabsichtigt durch Dörlinbach wie ein Lauffeuer verbreitet wurde, bis ein gewitzter Bürger die Situation humorvoll aufklärte.
Hatte durchaus den Charakter einer Straßenbahn
Von 1894 bis in die 1965 transportierte diese charmante Schmalspurbahn, die durchaus den Charakter einer Straßenbahn hatte, Passagiere durch die engen Gassen von Lahr und den angrenzenden Riedgemeinden. Ihre Streckenführung, die zunächst vom Rhein kommend über Ottenheim und Allmannsweier bis nach Seelbach reichte, wurde später bis nach Kehl erweitert. Doch mit der Schließung und dem schrittweisen Abriss der Gleisanlagen verschwand die Möglichkeit, an diese alte Tradition anzuknüpfen. Um den Traum der Schülerin in die Tat umzusetzen, müsste nicht nur eine neue Strecke ins obere Schuttertal geschaffen werden, sondern auch die alte Trasse bis Seelbach wieder zum Leben erweckt werden. Leider machen zahlreiche Bebauungen und infrastrukturelle Veränderungen diese Idee an vielen Stellen nahezu unmöglich. Der „Entenköpfer“ war mehr als dreißig Jahre lang Teil der Mittelbadischen Eisenbahngesellschaft (MEG). Heute ist die Südwestdeutsche Verkehrs AG (SWEG), mit Firmensitz in Lahr, der rechtliche Nachfolger und setzt sich weiterhin dafür ein, den öffentlichen Nahverkehr in der Region zu stärken. Ob der Traum einer neuen Straßenbahn nach Schuttertal jemals Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten. Doch die Nostalgie um den „Entenköpfer“ und die lebendige Geschichte des Schienenverkehrs in der Region werden in den Herzen vieler Bürgerinnen und Bürger weiterleben – und vielleicht inspiriert die nächste Generation zu neuen Ideen.

Veröffentlicht am 20. Januar 2023 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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