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Über 100-jährige Theater-Tradition

Lesedauer: 3 Minuten

Von Ritterspielen und Liebesgeschichten bis hin zum Prosa-Theater

Theateraufführungen haben in Dörlinbach eine lange Tradition. Weit über 100 Jahre ist es bereits her, dass zur Advents- und Weihnachtszeit gespielt wurde. Zu den ersten Vereinen gehörte natürlich Dörlinbachs älteste Vereinigung, der Radfahrverein „Schutterbund“ Dörlinbach, der von Anfang an auf eine farbenprächtige Kostümierung fixiert war. Dafür eigneten sich insbesondere Ritterschauspiele.

Theateraufführung des Radfahrvereins an Weihnachten 1913. Aufgeführt wurde das Stück „Ida von Toggenburg“.
Unter anderem führte der Radfahrverein im Jahre 1913 „Ida von Toggenburg“ auf. Ein historisches Schauspiel, wie sie damals landauf, landab in Mode waren. Der „Renner“ bei den Theatergruppen im Umland war in jener Zeit eben die Geschichte beziehungsweise Legende von Ida von Toggenburg, die auch „Ita von Fischingen“ genannt wurde und vor allem in der Schweiz als Heilige verehrt wird. Es heißt, dass sie sogar im 18. Jahrhundert die Gottesmutter aus dem Fischinger Klostersiegel verdrängt habe.
Theateraufführung der DJK an Weihnachten 1932. Das damals aufgeführte Stück ist nicht bekannt.
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Aufführung von Schülerinnen und Schülern auf der Theaterbühne im „Engel“ Ende der 1960er-Jahre.

Und um alle die Tiere kümmerte sich Johannes Ohnemus, denn die Leute im Ort eigentlich nur „Johann“ nennen. Johanns große Liebe galt vor allem den größten und ungewöhnlichsten Tieren auf der Pit-Pat-Anlage (siehe dazu auch Blog-Beitrag „Sechs Jahre Kängurus im Ort“ vom 24. April 2021), die er tagtäglich fütterte, beobachtete und hin und wieder mit ihnen spielte. Deshalb ist er für viele im Ort nicht einfach nur zum „Zoodirektor“ geworden, sondern zum „Känguru-Mann“. Er betreute zeitweise bis zu sechs Kängurus in den Gehege.

DJK präsentierte „Der Vogt von Mühlstein“

Das Theaterspiel stand auch beim DJK (einst Deutsche Jugendkraft, später deutscher katholischer Sportverband) von 1931 an hoch im Kurs. Gleich nach seiner Gründung im Februar 1931 wagte sich der Verein an Weihnachten desselben Jahres auf die Theaterbühne. Zur Aufführung kam das Bauerndrama „Der Vogt vom Mühlstein“. Die Erzählung des badischen Heimatdichters Heinrich Hansjakob (1837 bis 1916) aus dem Jahre 1892 ist eine tragische Liebesgeschichte, die beim Dörlinbacher Publikum hervorragend ankam. Schließlich war der aus Haslach stammende Pfarrer, Dichter und Politiker in Dörlinbach kein Unbekannter. Noch heute erzählen Leute von seinen Besuchen im Durenbach und seinen Begegnungen mit Dörlinbacher Dorforiginalen. Insgesamt 20 Laienschauspieler und -schauspielerinnen wirkten damals bei der Premiere des Bauerndramas mit. Im Laufe der Jahrzehnte kamen immer wieder neue Vereinigungen beziehungsweise Vereine hinzu, das Theaterspiel bekam immer buntere Facetten. Die DJK verschwand von der Theaterbühne. Sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die DJK auch als Verein aus dem dörflichen Leben verschwand. Der Radfahrverein hat hingegen bis heute Bestand, aber für deren Laienschauspieler fiel ebenfalls sehr früh der letzte Vorhang fürs Theater. Dafür öffnete sich der Theatervorhang für neue Akteure. Denn mittlerweile hat die örtliche Feuerwehr das Theaterspiel für sich entdeckt. Zu einer Zeit, wo vor allem Stücke mit Wilderen, Jägern und Förstern sowie Schwanks und die Komödien in der Dörlinbacher Theaterszene Einzug hielten.

Die KJG veränderte die Theaterszene im Ort

Mit der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) Dörlinbach kam dann im Jahr des Ortsjubiläums „750 Jahre Dörlinbach“ plötzlich frischer Wind in die örtliche Theaterszenerie. Im Oktober 1975 erst auf den Weg gebracht, standen die jungen Leute im Dezember bereits auf der Theaterbühne im Gasthaus „Zum Engel“. Der frische Wind war jedoch nicht auf die wesentlich jüngeren Laienschauspielerinnen und Laienschauspieler bezogen, sondern vielmehr auf die Auswahl der Stücke. Molière's Prosa-Komodie „Le Malade imaginaire“ – zu deutsch „Der eingebildete Kranke“ – brachte die KJG zunächst zur Aufführung. Durchaus ein Wagnis, aber der Erfolg gab den jungen Leuten Recht. Dieser Linie blieb sich die KJG treu und die anderen Vereine im Ort streuten nun nach und nach ebenso modernere Stücke in ihr Programm. Die Laienschauspielgruppe der KJG beschränkte sich nicht nur auf Auftritte im heimischen Dörlinbach. Unter anderem führten die jungen Leute unter der Regie von Hermann Billharz (Jahrgang 1963) auch ein Stück in der Mahlberger Stadthalle auf. Zwar löste sich die KJG in ihrer damaligen Form Mitte der 1980er-Jahre wieder auf. Aber deren Auffassung von Theaterspiel wirkte weiter in die anderen Vereine hinein. Kein Wunder, denn einige der ehemaligen Laienschauspieler und Laienschauspielerinnen der KJG spielten fortan bei der Feuerwehr oder dem Musikverein mit. Unter anderem wechselte auch der bisherige Regisseur der KJG, Günter Steuert (Jahrgang 1949) zur Laienschauspielgruppe der Trachtenkapelle. Und die überraschte unter seiner Regie gleich mal mit der Groteske „Bunz“ von Jakob Stebler. Damit wagte sich die Laienschauspielgruppe an ein durchaus schwieriges und zugleich ungewohntes Theaterstück. Es war halt etwas anderes, als die sonst aus früheren Jahren gewohnten Luststücke sowie den unzähligen Aufführungen mit „Förstern“ und „Wilderern“. Auch in Kindergarten und Schule wurde das Theaterspiel immer populärer. Vielleicht mit ein Verdienst jener Eltern, die einst als Laienschauspieler beziehungsweise Laienschauspielerinnen für die KJG auf der Bühne standen. Es gab sogar eine Zeit lang eine von Kindergarten-Eltern initiierte Theatergruppe, bei der vor allem Bernhard Griesbaum (Jahrgang 1965) sich hervorhob. Es sei an dieser Stelle vermerkt, dass in der Schule das Theaterspiel schon einmal hoch im Kurs stand. Das war vor allem in den 1960er-Jahren, wo es auch zu Aufführungen von Schülerinnen und Schülern auf der alten Theaterbühne im Gasthof „Zum Engel“ kam.

2018 fiel der vorerst letzte Theater-Vorhang

Das Theaterspiel wechselte mit dem Bau der Turn- und Festhalle auf der Herrenmatt vom „Engel“ in die neue, wesentlich größere Versammlungsstätte. Inzwischen haben die Aufführungen merklich nachgelassen. Die Feuerwehr hatte bereits vor Jahren die Laienschauspielerei eingestellt. Doch dank der Trachtenkapelle Dörlinbach gibt es jene Aufführungen in der Weihnachtszeit auch weiterhin. Mit der jüngsten Pandemie jedoch auch bei den Musikerinnen und Musikern erst einmal Schluss. An Weihnachten 2018 fiel bei der Komödie „Trau keinem Opa“ unter der Regie von Bernhard Griesbaum zum vorerst letzten Mal der Theatervorhang in der Dörlinbacher Turn- und Festhalle. Es bleibt die Hoffnung, dass wenn wieder Normalität in den Veranstaltungskalender der Vereine einkehrt, auf der Festhallen-Bühne wieder Theater gespielt werden kann.

Veröffentlicht am 10. Juli 2021 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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