Doch die letzten Nächte waren für jenen Fischreiher alles andere als gewöhnlich. Denn die friedlichen Nächte wurden plötzlich von einer fröhlichen Rasselbande unterbrochen – einer Gruppe junger, verwegener Weißstörche. Diese hatten sich „s' Isebernharde Tanne“ als ihr neues Nachtlager ausgesucht. Während sie in den höchsten Bereichen und bis zur Spitze der Tanne ihr Unwesen trieben, zog es den Fischreiher vor, einen anderen Schlafplatz aufzusuchen. Verständlich! Wer möchte sich schon mit halbstarken Jungstörchen auseinandersetzen, die anscheinend noch nicht wissen, dass das Gerangel um den besten Platz nicht gerade die feine Art ist.
Der gewohnte Alltag kehrt zurück
Trotz dieser kleinen Unannehmlichkeit ist es bemerkenswert zu beobachten, wie geschickt der Fischreiher ansonsten mit den Weißstörchen umgegangen ist. In den vergangenen Jahren wurde er oft zusammen mit ihnen bei der Futtersuche auf den umliegenden Wiesen gesichtet. Manchmal scheint es sogar eine Art von Freundschaft gegeben zu haben – im Gleichschritt durch die grünen Wiesen, als ob sie die Geheimnisse der Natur gemeinsam erkunden wollten. Doch nichts ist von Dauer, und so verschwand die Schar der Jungstörche nach kurzer Zeit wieder, während die Gewohnheiten des Fischreihers ihn zurück zur Tanne im Oberdorf führten. Dort kehrte der gewohnte Alltag zurück: Die nächtlichen Besuche des Fischreihers sind wieder da, und unter dem schützenden Haus der majestätischen Tanne wird das vertraute Schauspiel des Lebens fortgesetzt. Ein kleines Stück Naturtheater, das uns erinnert, wie lebendig und dynamisch unsere Welt ist – und das alles unter dem wachsamen Blick von „s' Isebernharde Tanne“.
Anmerkung zu „Blätterdach“
Natürlich ist der Redaktion bewusst, dass Tannen Nadelbäume sind. Laubbäume reagieren auf kalte Temperaturen und werfen im Herbst ihre Blätter ab. Im Gegensatz dazu behalten Tannen, die als Weihnachtsbäume beliebt sind, ganzjährig ihre Nadeln. Diese sogenannten Nadeln sind jedoch spezielle „Blätter“, die eng gerollt sind und eine reduzierte Oberfläche haben, was die Verdunstung von Wasser minimiert. Da der Boden im Winter oft gefroren ist und Wasseraufnahme erschwert wird, schützt diese Anpassung die Tanne vor dem Austrocknen.
Anmerkung zu „s' Iseberharde“
Der mächtige Baum steht an der Ostseite eines heute leerstehenden Hauses im Oberdorf, dessen frühere Bewohnerinnen und Bewohner im Ort einfach nur „s' Isebernharde“ genannt wurden. Dieser Haus- und Hofname geht auf Bernhard Meßner (1856 bis 1929) zurück und stammt aus einer Zeit, als das Oberdorf noch „Kirchweg nach Schweighausen“ hieß.
Veröffentlicht am 10. Juli 2024 / red
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