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Ordensschwestern aus Dörlinbach

Lesedauer: 6 Minuten

25 junge Frauen beschreiten neuen Lebensweg

Mit dem Eintritt in ein Kloster begann für viele Dörlinbacherinnen ein neuer Lebensabschnitt. Von Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren es mindestens 25 junge Frauen aus Dörlinbach, die sich von ihrem bisherigen weltlichen Leben abgewandt haben und in die Glaubensfamilie eines Klosters beziehungsweise Ordens aufgenommen wurden.

Schwester M. Edelberga (bürgerlich Agnes Rösch) bei ihrer Einkleidung (rechts).
Auf dem Weg der Nachfolge Christi erhielten sie alle auch einen neuen Namen, der als Zeichen für den neu zu beschreitenden Lebensweg gilt und zugleich die Verbundenheit zum geistlichen Leben verdeutlichen soll. Während heutzutage in vielen Ordensgemeinschaften die Anwärterinnen frei wählen können, war die Namensfindung zu jener Zeit noch ein Prozess, der von der Äbtissin des Klosters maßgeblich mitgestaltet wurde. Oft war es auch so, dass die Kandidatin drei Wunschnamen angibt und einen davon von der Äbtissin zugeteilt bekommt.
Schwester M. Edelberga (bürgerlich Agnes Rösch) bei ihrer Einkleidung (rechts).
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Weitere Momentaufnahmen von den Einkleidungsfeierlichkeiten in Schönstatt-Vallendar.
Es gibt Orden, in denen alle Schwestern den Namen Maria als Erstglied ihres Ordensnamens tragen. Dies ist in einigen Glaubensgemeinschaften üblich um die Gottesmutter zu ehren und die Verbundenheit mit ihr und unter den Glaubensschwestern auszudrücken. Eine solche Glaubensgemeinschaft ist das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern, deren Zentrale sich auf Berg Schönstatt bei Vallendar befindet. Die meisten Dörlinbacherinnen, genau gesagt neun, zog es nach Vallendar bei Koblenz, wo die Einkleidungsfeier der von hier stammenden Marienschwestern in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt auch immer ein einschneidendes Ereignis für deren Familien war.

Schönstätter Marienschwestern (9)

Dass so viele junge Frauen zu Schönstätter Marienschwestern wurden, ist sicherlich mit ein Verdienst von Pfarrer Josef Schmid (1900 bis 1975), der von 1936 bis 1955 nicht nur als Seelsorger in Dörlinbach tätig war, sondern auch in dieser Zeit eine Schönstattbewegung im Ort aufbaute. Die hiesige Schönstattgemeinschaft war auch maßgeblich an der Innengestaltung der im Oktober 1955 eingeweihten Kapelle auf dem Kappelberg beteiligt (siehe dazu Blog-Beitrag „Die Gedächtniskapelle“ vom 13. März 2021). Bereits im Jahre 1941 trat Karolina Singler (1918 bis 1954) in die Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern ein. Zuvor hatte sie eine Ausbildung als Krankenschwester abgeschlossen. Sie erhielt den Schwesternnamen Maria Sponsa und war zuletzt in Eisleben tätig, wo sie auch im November 1954 nach kurzer, aber schmerzvollen Krankheit verstorben ist. Sie ist eine Tochter von Karolina, geborene Singler (1877 bis 1952), und Roman Singler (1870 bis 1956), die insgesamt 14 Kinder hatten. Eine weitere Tochter der Eheleute ging nach Erlenbad. Dazu später mehr. Zu den ersten Marienschwestern aus Dörlinbach gehörten auch Maria Elisabeth Schätzle (1923 bis 1993) und Maria Franziska Zehnle (1924 bis 2008). Maria Elisabeth Schätzle, älteste Tochter von Maria Theresia, geborene Edte (1895 bis 1966) und Alois Schätzle (1890 bis bis 1960) erhielt den Schwesternname Maria Fiatis. Sie wirkte für die Schönstattbewegung über 40 Jahre zunächst in Uruguay, überwiegend jedoch in Argentinien. Zu Schwester Maria Fiatis gibt es weitere Infos unter dem Blog-Beitrag „Schwester Maria Fiatis Schätzle“ vom 15. Februar 2021. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blog-Beitrag „Dörlinbacher Missionsbasar“ vom 1. Juli 2021.

Auch Maria Franziska Zehnle (geboren 1924) konnte, wenn man so will, einen Teil ihres bürgerlichen Namens erhalten. Die älteste Tochter der Eheleute Sofie, geborene Stulz (1893 bis 1959), und Hermann Zehnle (1896 bis 1954) hieß fortan Schwester Maria Dignata. Zwei Töchter des Ehepaars Karolina, geborene Göppert (geboren 1904) und Karl Ohnemus (1901 bis 1982) gingen zu den Schönstättern: Anna Maria Ohnemus (1929 bis 2008) als Schwester Maria Annefriede und Elisabeth Ohnemus (geboren 1941), die den Schwesternname Lisanne erhielt. Den Reigen der Schönstätter Marienschwestern aus Dörlinbach komplettierten Theresia Singler (1927 bis 2022), Franziska Singler (geboren 1931), Maria Wehrle (1932 bis 2001) und Agnes Rösch (geboren 1935). Theresia Singler hieß nach ihrem Eintritt in die Gemeinschaft Schwester Maria Engelinde. Sie verstarb erst vor Kurzem auf der Liebfrauenhöhe bei Rottenburg am Neckar. Aus Franziska Singler wurde Schwester Maria Helmtraude, die heute noch mit über 90 Jahren in Nesselwang tätig ist. Franziska und Theresia waren Töchter von Sofie, geborene Fehrenbacher (1892 bis 1962) und Anton Singler (1881 bis 1966), die insgesamt 12 Kinder hatten. Aus Maria Wehrle, der ältesten Tochter von Ida, geborene Diel (1901 bis 1986), und Rudolf Wehrle (1896 bis 1985) wurde Schwester Maria Ilka, die zuletzt auf der Liebenfrauenhöhe tätig war und in Rottweil verstarb. Den Schwesternnamen Maria Edelberga erhielt Agnes Rösch, zweitjüngste Tochter von Maria, geborene Wangler (1900 bis 1964) und Josef Rösch (1897 bis 1977).

Franziskanerinnen in Erlenbad (6)

Vor dem Schönstätter Schwestern-Boom zog es die jungen Frauen aus Dörlinbach hauptsächlich zu Gemeinschaften der Franziskanerinnen. Dazu gehörten Maria Diel (geb. 1848), Theresia Griesbaum (1893 bis 1953), Theresia Singler (geboren 1908), Rosalis Rothweiler (geboren 1909) und Helena Thoma (1913 bis 1977), die allesamt in die Kongregation der Franziskanerinnen des Klosters Erlenbad bei Obersasbach eintraten und vergleichsweise besonders ausgefallene Namen bekamen, wie dies noch in den Schwestergemeinschaften des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war. Maria Diel, älteste Tochter von Kreszentia, geb. Beck (1878 bis 1961), und Landolin Diel (1872 bis 1931), erhielt den Schwesternnamen Lucretia. Die älteste Tochter von Karolina, geborene Singler (1877 bis 1952), und Roman Singler (1870 bis 1956) mit dem bürgerlichem Namen Theresia hörte fortan auf Schwester Klotulfa und Rosalia Rothweiler, jüngste Tochter von Kunigunde, geb. Klausmann (1878 bis 1918) und Wilhelm Rothweiler (1876 bis 1955), wurde zu Schwester Rolanda. Helena Thoma, viertältestes Kind von Karl Thoma (1885 bis 1961) und Karolina, geborene Schüssele (1887 bis 1968), erhielt den Schwesternnamen Menas. Die Thomas hatten insgesamt 12 Kinder. Vertraut hingegen der Schwesternname von Theresia Griesbaum, die zusammen mit fünf Geschwistern aufwuchs. Die Tochter von Johann Georg Griesbaum (1848 bis 1919), der von 1884 bis 1905 Bürgermeister in Dörlinbach war, und dessen Ehefrau Theresia, geborene Singler (1862 bis 1939) wurde nach ihrem Eintritt in den Orden Schwester Agatha genannt. Und noch eine junge Frau gilt es zu erwähnen: Barbara Reith (geboren 1901 / Sterbedatum nicht bekannt), die nach Nordamerika auswanderte. Die Tochter von Rosina Reith (geboren 1884 / Sterbedatum nicht bekannt) trat Mitte September 1922 in das Kloster Erlenbad ein, bevor sie dann kurz danach das Land in Richtung Nordamerika verließ. Sie bekam den Schwesternnamen Gaudentia. In den Staaten arbeitete sie im Mutterhaus „St. Joseph Convent“ in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin als Krankenschwester. Ihren Lebensabend verbrachte sie im Schwesternheim „Maria Linden“ in Rockford im US-Bundesstaat Illinois. Belegt ist, dass sie mit 94 noch in diesem Schwesternheim lebte. Wann sie verstorben ist, konnten wir bislang noch nicht ermitteln.

Franziskanerinnen in Gengenbach (5)

Fünf weitere Frauen aus Dörlinbach führte der Weg zu den Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu nach Gengenbach. Auch sie bekamen teilweise besonders ausgefallene Schwesternnamen. Darunter die Geschwister Magdalena (geboren 1875) und Karolina Singler (geboren 1877), zwei von insgesamt 13 Kindern der Eheleute Theresia, geb. Griesbaum (1840 bis 1908), und Leopold Singler (1836 bis 1916). Aus Magdalena Singler wurde Schwester Colombina, aus Karolina Schwester Adelindis. Die Zwillingsschwester von Karolina, Maria Singler (geboren 1880), sowie die etwas ältere Schwester Agatha Singler (geboren 1871) arbeiteten übrigens als Pfarrköchinnen. Weitere drei Schwestern dieser Großfamilie blieben zeitlebens ledig. Zwei Töchter von Rosina, geborene Maier (1884 bis 1954), und Leopold Singler (1882 bis 1963), die insgesamt 13 Kinder hatten, traten ebenfalls den Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu bei: Barbara Singler (geboren 1909) als Schwester Pergentina und Cäcillia (geboren 1926) als Schwester Wolftrudis. Nach Gengenbach ging auch Wilhelmine Fischer (geboren 1884). Sie ist das sechste von insgesamt 13 Kindern der Eheleute Wilhelmine, geboren Herr (1854 bis 1935), und Josef Fischer (1849 bis 1929). Wilhelmine wurde Schwester Bella genannt.

Weitere Schwesterngemeinschaften (5)

Maria Anna Müllerleile (geboren 1907) zog es als Schwester Coslina zum Orden der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul nach Freiburg. Im ehemaligen Heimatort Dörlinbach wurde die Vinzentinerin, die als viertes von insgesamt 13 Kindern der Eltern Maria Anna, geborene Singler (1879 bis 1957) und Josef Müllerleile (1867 bis 1938) zur Welt kam, meist nur Schwester Lina genannt, was unter anderem auch durch alte Presseberichte belegt ist. Zu den Schwestern vom Heiligen Josef von Sankt Trudert in Münstertal ging Theresia Redt (1904 bis 1975), die fortan Schwester Afra genannt wurde. Sie war die Älteste von zehn Kindern des Ehepaars Maria, geborene Dorner (1881 bis 1944), und Josef Redt (1881 bis 1950). Priska Singler (geboren 1883) ist laut dem Familienteil des Dörlinbacher Heimatbuchs als Ordensschwester tätig gewesen. Es gibt allerdings keine weiteren Hinweise auf den Orden beziehungsweise auf das Kloster und auch ihr Schwesternname ist nicht bekannt. Ähnliches gilt für Amalia Rösch (geb.oren 1858), jüngste Tochter von Elisabetha, geborene Griesbaum (1825 bis 1863), und Löwenwirt Wilhelm Rösch (1824 bis 1906). Von ihr ist nur überliefert, dass sie eine Ordensschwester war. Weiter ist im Familienteil Rosina Müllerleile (1895 bis 1987) aufgeführt, deren Orden ebenso nicht genannt wird. Von ihr ist jedoch bekannt, dass sie als Schwester Hermana in Mainz tätig war. Möglicherweise gehörte sie der Ordensgemeinschaft Schwestern von der Göttlichen Vorsehung an, deren Tätigkeitsschwerpunkt im Schul- und Krankendienst liegt (Nachforschungen dazu laufen). Rosina Müllerleile kam übrigens als zehntes Kind von Anton Müllerleile (1854 bis 1923) und dessen Ehefrau Wilhelmina, geborene Fischer (1858 bis 1918), zur Welt. Anton Müllerleile, der von 1917 bis 1923 Bürgermeister in Dörlinbach war, und Wilhelmina hatten insgesamt 14 Kinder.

Die im Beitrag erwähnten Ordensschwestern in der Übersicht

Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern, Vallendar:
  • Sr. Maria Sponsa (Karolina Singler)
  • Sr. Maria Fiatis (Maria Elisabeth Schätzle)
  • Sr. Maria Annefriede (Anna Maria Ohnemus)
  • Sr. Maria Lisanne (Elisabeth Ohnemus)
  • Sr. Maria Dignata (Maria Franziska Zehnle)
  • Sr. Maria Engelinde (Theresia Singler)
  • Sr. Maria Helmtraude (Franzsika Singler)
  • Sr. Maria Ilka (Maria Wehrle)
  • Sr. Maria Edelberga (Agnes Rösch)
Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu, Gengenbach:
  • Sr. Colombina (Magdalena Singler)
  • Sr. Adelindis (Karolina Singler)
  • Sr. Bella (Wilhelmine Fischer)
  • Sr. Pergentina (Barbara Singler)
  • Sr. Wolftrudis (Cäcillia Singler)
Kongregation der Franziskanerinnen Erlenbad, Sasbach:
  • Sr. Agatha (Theresia Griesbaum)
  • Sr. Lucretia (Maria Diel)
  • Sr. Menas (Helena Thoma)
  • Sr. Klotulfa (Theresia Singler)
  • Sr. Rolanda (Rosalia Rothweiler)
  • Sr. Gaudentia (Barbara Reith)
Orden der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul, Freiburg:
Sr. Coslina (Maria Anna Müllerleile)
Schwestern vom Hl. Josef von St. Trudbert, Münstertal:
Sr. Afra (Theresia Redt)
Orden nicht bekannt:
Sr. Hermana (Rosina Müllerleile)
Orden und Schwesternnamen nicht bekannt:
  • Sr. N.N. (Priska Wehrle)
  • Sr. N.N. (Amalia Rösch)

Veröffentlicht am 12. Juli 2021 / red

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