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An der Umzugsspitze

Lesedauer: 3 Minuten

Über viele Jahrzehnte von Einzelfiguren geprägt

Sie sind zwei echte Dorforiginale und – wenn man so will – auch zwei echte „Fasentskinder“. Die Rede ist von Wilhelm Billharz (1931 bis 2009) und Karl Josef Billharz (1931 bis 1998), die beide an einem 11.11. das Licht der Welt erblickten. Die Billharz-Brüder sind zugleich auch Zwillinge. Beide hinterließen in der Dörlinbacher Fasnacht ihre Spuren. Jeder auf seine ganz eigene Weise.

Hin und wieder marschierte der Musikverein alleine an der Umzugsspitze. Kein „Dorfpolizist“, kein „Dorfbott“, kein „Bremmedatscher“ und nicht einmal begleitende Kinder.
Vor allem Wilhelm Billharz war eng mit der im Jahre 1979 gegründeten Bremsdorfer Narrenzunft (BNZ) Dörlinbach verbunden. Zur BNZ siehe Blog-Beitrag vom 17. März 2021. Doch schon weit vor Gründung des Narrenvereins setzte Wilhelm an den närrisch-tollen Tagen seine Farbtupfer im Ort. Siehe hierzu auch unter dem Blog-Beitrag „Sputnik im Weltall und in Dörlinbach“ vom 1. März 2021.
Karl Billharz als „Dorfpolizist“ im Jahre 1982.
Wann und wo in Dörlinbach erstmals eine Schule eingerichtet wurde, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen, heißt es im Dörlinbacher Heimatbuch zur Schulgeschichte. Vermutlich wurden die Kinder der beiden Klosterdörfer Dörlinbach und Schweighausen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Gewisse Hinweise auf den Standort und den Zustand der früheren Schulgebäude würden diese Vermutung nahelegen. Zeitlich liegen wir da in der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Dessen Zwillingsbruder Karl wird dem Dörlinbacher Narrenvolk sicherlich in ganz anderer Erinnerung bleiben. In einer Rolle, in die er über Jahrzehnte hinweg vor allem immer am „Fasentssundig“ (Fasnachtssonntag) schlüpfte. In der alten Uniform eines Dorfpolizisten führte er den Narrenumzug bis in die 1980er-Jahre hinein an. Ende der 1980er-Jahre schritt Karl Billharz immer noch dem Fasentsumzug voran. Aallerdings hatte sich mittlerweile sein Erscheinungsbild entscheidend verändert.

Neues Erscheinungsbild

Die dunkle Uniform aus der Weimarer Republik wurde mit einem gelb leuchtenden Fasnachtshemd mit großen schwarzen Punkten getauscht. Sein Tschako auf dem Kopf (auch „Schackelhaube“ genannt) wurde durch ein Schwellkopp, also einem großen überdimensionalen großen Pappmachékopf ersetzt. Solche Köpfe kannte man bis dahin eigentlich nur vom rheinischen Karneval oder von der Basler Fasent. Genau betrachtet, könnte man aber auch sagen, dass es einen Vorboten dafür schon in den 1950er-Jahren in Dörlinbach gab. Ein Beleg dafür wäre der selbstgebastelte Sputnik-Kopf von Zwillingsbruder Wilhelm zur Fasnacht 1955. Heutzutage läuft kein Schwellkopp mehr an der Spitze des fasnächtlichen Umzugs und schon gar nicht die „Narrenbolizei“. Auch kein Dorfbott wie vielerorts noch praktiziert wird. Und auch nicht Wolfgang Schätzle (Jahrgang 1956) als „Bremmedatscher“ (siehe zu dieser Figur auch den Blog-Beitrag „Der Bremmedatscher“ vom 30. März 2021), dem diese Rolle für einige wenige Jahre zugedacht war. In der jüngeren Zeit schreitet in der Regel der „Narresome“ mit dem örtlichen Musikverein dem Narrentross voran, wenn am Fasnachtssonntag die Fußgruppen und Wagen sich durch das „Bremmedorf“ schlängeln.

Veröffentlicht vom 3. Mai 2021 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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