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Derlebacher G’schichtle Folge 65

Lesedauer: 3 Minuten

Das Maikäfer schütteln

Wer kennt sie nicht, die berühmte Geschichte von Max und Moritz, in der die beiden Lausbuben die Maikäfer schütteln, um sie in die Betten von Onkel Fritz zu setzen? Auch hier bei uns im Ort war das „Maikäferschütteln“ einst eine weitverbreitete Tradition – allerdings nicht als Scherz, sondern aus einem ganz anderen Grund. Das Maikäferschütteln ist nämlich eine alte Methode, um die Maikäfer im Frühling von den Bäumen zu entfernen, bevor sie allzu großen Schaden anrichten.
Derlebacher Gschichtle - Folge 65
Früher war das Maikäferschütteln besonders bei den heimischen Jugendlichen beliebt – aber nicht irgendein Schütteln, sondern an einem ganz besonderen Tag und zum besonderen Anlass: den Flutprozessionen über den Dobel und Oberrain. Viele Jungs konnten es kaum erwarten, oben am Fluraltar anzukommen, doch ihr Interesse galt nicht etwa dem religiösen Moment. Vielmehr hatten sie die großen, braunen Käfer in den Eichenästen im Blick.
Derlebacher Gschichtle - Folge 65
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Derlebacher Gschichtle - Folge 65
Unbeeindruckt von den missbilligenden Blicken der Erwachsenen und des Pfarrers, der fand, dass die Prozession nicht gestört werden dürfe, ließen sich die Kinder ihr Maikäfer-Vergnügen nicht nehmen. Denn das Herunterschütteln der Käfer musste ja nicht zwingend mit dem kirchlichen Anlass verbunden sein.
Faszinierende Erscheinung
Der Maikäfer selbst ist eine faszinierende Erscheinung: In Deutschland gehört er zu den populärsten Tieren in der Bevölkerung. Der Maikäfer prägte Kunst, Literatur, Küche, Landwirtschaft und soll sogar Inspiration für den VW Käfer gewesen sein. Gleichzeitig wird er von Land- und Forstwirten gefürchtet, weil er als Schädling große Schäden anrichtet. Das Maikäferschütteln war somit nicht nur ein spielerischer Zeitvertreib, sondern auch ein kleiner Beitrag zum Schutz der Landwirtschaft. So erzählt uns diese kleine Anekdote vom alten Brauch, wie sich Spaß, Tradition und Nutzdenken auf lebendige Weise miteinander verknüpfen lassen – echte Derlebacher G’schichtle eben!

Die Trauer und das Entsetzen über den Verlust von Maria Anna Weber (1890 bis 1965) hinterließen in der Gemeinschaft tiefe Spuren. Ihr tragisches Schicksal und die quälende Ungewissheit über ihr Verschwinden bewegten die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner zutiefst. Die Erinnerungen an die Rentnerin blieben lebendig, und ihre mysteriöse Geschichte wurde zu einem dauerhaften Teil des kollektiven Gedächtnisses von Dörlinbach. Diese Erzählung dient nicht nur als Rückblick auf ein tragisches Ereignis, sondern auch als eindringliches Mahnmal, das uns daran erinnert, wie schnell sich das Leben verändern kann und wie zerbrechlich unsere menschliche Existenz ist. Während der Schnee das Geheimnis bewahrte, lebt die Erinnerung an Maria Anna Weber weiter – selbst bei jenen, die sie einst als „Nännän“ hänselten.

Veröffentlicht am 17. August 2026 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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