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Farbtupfer unter der Dorfbevölkerung – Folge 2

Lesedauer: 4 Minuten

Neue Kurz-Porträts von Dorforiginalen

Oft waren es eigenwillige und eigenartige Menschen, die in unseren Dörfern lebten. Doch was genau macht einen Menschen zu einem Dorforiginal, zu einem Charakterkopf? Und muss der Blick zurück zwangsläufig von Nostalgie geprägt sein? Diese Fragen stellen sich uns, wenn wir an die einzigartigen Persönlichkeiten denken, die das dörfliche Leben geprägt haben und teilweise auch heute noch prägen.
Bemerkenswerte Persönlichkeiten unseres Dorfes. Jeden Monat wollen wir drei Dorforiginale mit Kurz-Porträts ins Gedächtnis rufen.
Dorforiginale sind mehr als nur Menschen mit besonderem Auftreten – sie sind die bunten Farbtupfer der Dorfgemeinschaft. Auch heute gibt es sie noch, wenn auch nicht mehr so zahlreich wie früher. In monatlichen Folgen möchten wir einige dieser bemerkenswerten Persönlichkeiten aus der Dörlinbacher Geschichte ins Gedächtnis rufen. Begonnen haben wir mit Hermann Fischer und Josef Billharz aus der Hauptstraße sowie Bernhard Engel aus dem Oberdorf.
Drei Dorforiginale im Blick: Robert René Litty, Friedrich Wehrle und Maria Singler. Sie alle sind bemerkenswerte Persönlichkeiten aus der Geschichte unseres Dorfes.
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Dorforiginal Maria Singler vom Prinschbach 1. Dank ihres mütterlichen Wesens gewann sie viel Zuneigung bei Kindern, und der Name „Tante Marie“ machte schnell die Runde.
In Kurz-Porträts halten wir diese Menschen lebendig – als Farbkleckse in einer oft gleichförmigen Welt. In dieser zweiten Folge erinnern wir an Robert René Litty aus dem Ziegelgrund, an Friedrich Wehrle von der ehemaligen „Löwen“-Gaststätte an der Hauptstraße und an Maria Singler vom Jägertonihof im Prinschbachtal – allesamt farbenfrohe Charaktere unserer Dorfgeschichte.
Robert René Litty (1913 bis 1997)

Robert René Litty fand durch die Liebe seinen Weg nach Dörlinbach. Geboren im schweizerischen Matten bei Interlaken, hatte er ein internationales Elternhaus: Der Vater stammte aus dem Elsass, die Mutter war Schweizerin. Zunächst im Hotelfach tätig, arbeitete er unter anderem im Schnellzug Basel-Mailand. Später erlernte er das Mechanikerhandwerk, was ihn über die Schweiz, das elsässische Sennheim und Mühlhausen nach Lahr führte. Dort begegnete er Anna Deibel, eine Dörlinbacherin. Nach ihrer Heirat schufen sie sich im Ziegelgrund ein Eigenheim. René Litty engagierte sich zeitlebens für das Gemeinwohl und kümmerte sich als Rentner um die Pflege der Prinschbachhütte und der dazugehörigen Freizeitanlage. Tag für Tag wanderte er zur Hütte, um nach dem Rechten zu sehen. Sie wurde zu seinem Steckenpferd, wofür er mehrfach vom örtlichen Verkehrsverein ausgezeichnet wurde. Dieses Engagement setzte sein Sohn Daniel Litty fort, der bis heute die Anlage betreut. Lesenswert zu René Litty ist auch der Beitrag „Derlebacher G’schichtle – Folge 15“ vom 18. Februar 2022 (Göttliche und militärische Lebensretter).

Friedrich „Fritz“ Wehrle (1895 bis 1982)

Friedrich Wehrles Geburtshaus war die einst weit über die Grenzen des Schuttertals hinaus bekannte Gastwirtschaft „Zum Löwen“. Friedrich wuchs zusammen mit sieben Geschwistern mitten im Dorf auf und erlernte zunächst das Küferhandwerk, das er mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Doch der Beruf sowie der elterliche Betrieb mussten warten: Im Ersten Weltkrieg diente er an der Westfront. Am 1. Februar 1932 übernahm er die elterliche Gastwirtschaft. Passend dazu hatte er sich mit Amalia Hämmerle auch die richtige Ehefrau ausgesucht, denn ihre Wiege stand einst im Gasthaus „Zur Sonne“ im Nachbarort Schweighausen. Über drei Jahrzehnte hinweg führten Fritz und Amalia den „Löwen“ mit viel Fleiß und Fachkenntnis. Nachdem Fritz 1966 den Gastronomiebetrieb an die nächste Generation übergeben hatte, widmete er sich den täglichen Arbeiten rund um die Gastwirtschaft, insbesondere seinem geliebten Hausgarten. Vom Frühling bis in den späten Herbst war er dort fast täglich anzutreffen und hatte immer Zeit für ein Schwätzchen. Fritz Wehrle verstarb 1982 fünf Monate nach seiner goldenen Hochzeit mit Amalia im Alter von 87 Jahren. Weitere spannende Einblicke in sein Leben und die Geschichte des „Löwen“ findet ihr in unseren Blog-Beiträgen „Nudelherstellung in Dörlinbach“ vom 21. Mai 2022 und „Gasthaus Zum Löwen“ vom 4. Juli 2022.

Maria Singler (1923 bis 2019)

Die letzte Persönlichkeit in diesem zweiten Teil ist Maria Singler vom Jägertonihof im Prinschbach, besser bekannt als „Tante Marie“. Sie prägte die Kindererziehung im Ort zur Zeit, als Begriffe wie „Kinderschule“ und „Kindergarten“ noch gängig waren. Maria begann 1958 ihren Dienst in der vier Jahre zuvor beim Sandplatz errichteten Kinderschule als einzige Erziehungshelferin von Schwester Cäcillia. Dank ihres mütterlichen Wesens gewann sie viel Zuneigung bei den Kindern, und der Name „Tante Marie“ machte schnell die Runde. Bei ihrem Abschied im September 1983 wurde hervorgehoben, dass sie ihren Dienst nicht nur gewissenhaft versah, sondern auch ein Muster an Pünktlichkeit war. In ihrer 25-jährigen Dienstzeit fehlte sie so gut wie nie. Maria Singler durfte einen langen Lebensabend genießen und verstarb 2019 im stolzen Alter von 96 Jahren. Ihr liebevoller Beiname „Tante Marie“ ziert auch den Grabstein ihrer letzten Ruhestätte und erinnert an ihre Bedeutung für das Dorf.

Veröffentlicht am 26. Februar 2025 / red

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