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Maria im Felsen

Lesedauer: 3 Minuten

Neuer Ort der Besinnung und des Gedenkens

Inmitten der Dörlinbacher Waldlandschaft fand kürzlich eine ganz besondere Einweihungsfeier statt. Auf dem „Tannenböschle“ beim historischen Totenruhplatz, einer Stätte von großer Bedeutung für die Dorfbewohner, wurde ein beeindruckender Sandsteinblock eingeweiht. Der Ort ist nicht nur idyllisch, sondern trägt auch eine bewegende Geschichte mit sich. Hier legten Generationen von Dörlinbachern ihre Verstorbenen ab, bevor diese auf den beschwerlichen Weg zum Kloster nach Ettenheimmünster gebracht wurden, um dort ein christliches Begräbnis zu erhalten.
Mit Spannung erwartet: die Enthüllung der „Maria im Felsen“. Ein neuer Ort der Besinnung und des Gedenkens auf dem Tannenböschle beim Totenruhstein.

Die Flucht begann nach einer Evakuierung, bei der die Familie vorübergehend bei der Familie Siefert in Nonnenweier unterkam. Doch das Schrecken des Krieges war noch nicht vorbei. Im Winter 1944, als die Franzosen über den Rhein vorrückten, brach erneut Furcht unter den Menschen im Ried aus. Die Lodygas und samt Oma Söthe hatten keine Wahl – auch sie mussten fliehen. Die Riedbewohner wurden auf verschiedene Bauernhöfe im Schuttertal verteilt – für die Lodygas führte der Weg nach Dörlinbach auf den Schulzenhansenhof. Infos zum Hof könnt ihr unter dem Blog-Beitrag „Der Schulzenhansenhof“ vom 10. Juni 2023 nachlesen.

Maria im Felsen: Impressionen von der Einweihungsfeier auf dem Tannenböschle. Momentaufnahmen vom offiziellen Teil bis hin zur anschließenden Feier.
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
Die Segnung des „Felsens“ und der Madonna durch den katholischen Dekan Johannes Mette aus Lahr.
Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Um die massive Felsmasse an ihren neuen Platz zu transportieren, war ein großer Kranwagen nötig. Und die Skepsis seitens des Bürgermeisters Matthias Litterst und des Bauhofleiters war nicht zu übersehen. Aber Göppert ließ sich nicht entmutigen und setzte seine Pläne in die Tat um. Im Juni war es soweit, der „Riese“ wurde an seinen neuen Standort gehoben.
Lob und Dank
Die Einweihungsfeier, an der etwa 100 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen, war ein voller Erfolg. Bürgermeister Litterst würdigte das Engagement von Göppert, das Dörlinbach nun um eine weitere Sehenswürdigkeit bereichert. Dieser neue Wegweiser wird mit Sicherheit viele Blicke anziehen und dazu einladen, die Geschichte des Ortes näher kennenzulernen. Für das kommende Jahr kündete Göppert eine Wanderung an, die den alten Bestattungsweg nach Ettenheimmünster nachzeichnen wird – eine Art Zeitreise für Groß und Klein! Der Stein selbst wurde auf einem soliden Betonfundament platziert, und Förster Lothar Bellert gewährte seine Zusage für diesen besonderen Standort. Schlosser Wendelin Griesbaum aus Bollenbach sorgte dafür, dass die Madonna, die in einer Nische des mächtigen Steins steht, von einem stabilen Metallgitter geschützt wird. Die Zusammenarbeit mit den Helferinnen und Helfer aus der Familie und dem Bauhof Schuttertal verlief reibungslos, was Göppert mit einem Schmunzeln kommentierte: „Das klappte wie am Schnürchen!“
Die Einweihungsfeier
Besonders rührend war die kleine Zeremonie zur Segnung des „Felsens“ und der Madonna durch den katholischen Dekan Johannes Mette. Der Chor Lauschangriff umrahmte das Fest mit stimmungsvoller Musik und verzauberte die Anwesenden. Unter den Gästen waren nicht nur Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, sondern auch Freunde von Göppert, einschließlich der Familie Neumaier vom Lupferhof in Hofstteten, wo ein Jahr zuvor fast auf den Tag genau eine Mariengrotte eingeweiht wurde, und das Ehepaar Radmacher, die Alois Göppert vor über 40 Jahren im schwäbischen Heidenheim kennengelernt hatte. Beide Familien spielten eine besondere Rolle bei der Inspiration für das Projekt und den Namen „Maria im Felsen“, verriet Göppert. So hat Dörlinbach nun sein eigenes „Maria im Felsen“, einen Ort der Besinnung und des Gedenkens, und das an einem Platz, der an die historischen Wege der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner erinnert.

Lesenswertes zum Thema

Das Engagement von Göppert hinsichtlich des alten Kirchwegs und des Totenruhwegs findet auch in den Blog-Beiträgen „Rastplatz Sandgrube-Hütte“ vom 14. Juli 2022 sowie „Alter Kirchweg“ vom 10. März 2024 seinen Ausdruck.

Veröffentlicht am 15. Oktober 2024 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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