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Erinnerungen an vergangene Zeiten

Lesedauer: 11 Minuten

Wachgerufen durch alte Schrift- und Foto-Dokumente

Erinnerungen an vergangene Zeiten werden oft durch alte Dokumente wachgerufen. Sie ermöglichen uns einen Einblick in das Leben vergangener Generationen und lassen uns die Geschichte unseres Dorfes lebendig werden. In diesem Blog-Beitrag möchten wir einige dieser Dokumente vorstellen, die unser Dorf mal mehr, mal weniger geprägt haben.

800 Jahre 077 Erinnerungen an vergangene Zeiten 05 Rindvieh Ochse Wendel
Von alten Veranstaltungsplakaten über Fotos von Dorforiginalen bis hin zu Chroniken und Berichten – all diese Schriftstücke erzählen uns von der Vielfalt und der Lebensfreude, die hier einst herrschte. Taucht also mit uns ein in die Vergangenheit unseres Dorfes und entdeckt die kleinen Geschichten, die hinter den alten Dokumenten verborgen liegen. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken!
800 Jahre 077 Erinnerungen an vergangene Zeiten 09 Flyer 750 Jahre August 1975
Außenwandgemälde in der Brandhalde (Anwesen Kaspar). Hans Buschs Erstlingswerk an Dörlinbachs Hauswänden, das er im August 1975 fertigstellte.
800 Jahre 077 Erinnerungen an vergangene Zeiten 08 Alois Schätzle VW Käfer

Bei dieser Reise in die Vergangenheit lassen wir mal Post- und Ansichtskarten (siehe dazu Blog-Beitrag „Zeitreise in die Vergangenheit“ vom 19. September 2021) sowie die historischen Schriftstücke und Urkunden (siehe unter anderem in Blog-Beitrag „Wie alt ist Dörlinbach wirklich?“ vom 16. März 2021) außer Acht. Wir blicken auf Ereignisse aus dem dörflichen Leben der letzten drei Jahrhunderte. Beginnen wollen wir mit einer Aufnahme-Karte in einen Verein aus dem Jahre 1894.

Aufnahms-Karte von 1894

Die sogenannte Aufnahms-Karte ist auf den damaligen Bürgermeister Johann Georg Griesbaum (1848 bis 1919) ausgestellt. Griesbaum, der von 1884 bis 1905 das Amt des Rathauschefs inne hatte, war offensichtlich auch Imker und wurde 1894 in den Verein für Bienenzucht in Baden (gegründet 1857) aufgenommen. Johann Georg Griesbaum war Hofbauer auf dem Lieberatsberg und war zunächst mit Maria Anna geborene Billharz (1831 bis 1887) verheiratet. Die beiden hatten keine Kinder. Sechseinhalb Monate nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Griesbaum Theresia Singler (1862 bis 1939). Mit ihr hatte er sechs Kinder, wovon allerdings ein Mädchen im Alter von fünf Monaten bereits verstorben ist. Ein Mädchen trat als junge Frau als Schwester Agatha in die Kongregation der Franziskanerinnen in Erlenbad ein. Zu Tochter Theresia Griesbaum siehe auch unter Blog-Beitrag „Ordensfrauen aus Dörlinbach“ vom 12. Juli 2021. Die Aufnahme-Karte Griesbaums wurde übrigens in jenem Jahr ausgestellt, als sein gleichnamiger Vater Johann Georg Griesbaum (1815 bis 1894) im Mai verstarb. Sein Vater war ebenfalls Bürgermeister in Dörlinbach gewesen und lenkte die Geschicke der Gemeinde von 1853 bis 1862. Er war Bauer auf dem Burehof in Höfen und war mit Franziska geborene Schüssele (1810 bis 1885) verheiratet. Neun Kinder gingen aus deren Ehe hervor, allerdings kamen drei Buben und ein Mädchen tot zur Welt. Ein weiterer Junge verstarb noch am Tage seiner Geburt. Nur vier der Kinder wuchsen zu Erwachsenen heran. Zwei Mädchen, die zeitlebens ledig blieben, und zwei Jungs, die im Erwachsenenalter eine eigene Familie gründen konnten.

Erlaubnisschein für einen Hund von 1905

Aus dem Nachlass von Johann Georg Griesbaum, der von 1884 bis 1905 in Dörlinbach Bürgermeister war, stammt auch der Erlaubnisschein für einen Hund. Ausgestellt am 6. Juni 1905, also zum Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister. Einfach nur ein neuer Hofhund oder vielleicht ein Geschenk zum Abschied als Bürgermeister – darüber ist nichts bekannt beziehungsweise überliefert. Das Schriftdokument zeigt uns unter anderem auch, wie sich Schriftbild, Sprache und Rechtschreibung verändert (siehe unter anderem das Wort „giltig“). Dass es sich um ein amtliches Dokument handelt, zeigt uns der eingeprägte Stempel vom Großherzogtum Baden (1806 bis 1918).

Werbung für feinste Eier-Schnitt-Nudeln

Zum Hintergrund dieser Werbung für feinste Eier-Schnitt-Nudeln: In Dörlinbach hergestellte Nudeln – das gab es tatsächlich über viele Jahrzehnte hinweg. Die Idee zur Nudelherstellung brachte Karl Wehrle (1892 bis 1955) im Februar 1911 nach seiner Volontärszeit in der Konditorei Keller in Freiburg mit nach Hause zu seinem Vater Nikolaus Wehrle (1864 bis 1912). Diesem gefiel der Vorschlag seines Sohnes überaus gut. Und so wurde sie Nudelherstellung planmäßig angefangen. Vater Nikolaus verstarb durch einen Unfall im darauffolgenden Jahr, aber die Nudelfabrikation ging weiter, das Geschäft entwickelte sich gut. Die Nudeln wurden fortan unter der Markenbezeichnung „Hünersedel“ und die beste Qualität unter dem Namen „Schwarzwaldmädchen“ angeboten. Zugleich wurden sie nicht mehr nur lose, sondern auch abgepackt an verschiedene Lebensmittelgeschäfte verkauft. Die Nudeln gab es in drei Qualitätsstufen. Im Januar 1929 wurde die Firma „Wehrle & Co.“ gegründet. Richtig gut lief es während dem Zweiten Weltkrieg, zeitweise musste sogar mit zwei Schichten gearbeitet werden. Und es lief auch gut weiter bis nach der Währungsreform im Jahre 1948. Und jeder der damals tonangebenden Wehrle-Brüder hatte seine Rolle in der Firma gefunden. Bäckermeister Karl Wehrle hatte die kaufmännische Leitung inne, Bäcker Oskar (1897 bis 1983) konzentrierte sich vorwiegend auf die dazugehörige Bäckerei und das Lebensmittelgeschäft und der Jüngste, Emil (1900 bis 2003), kümmerte sich nach seiner Heimkehr aus französischer Gefangenschaft als gelernter Mechaniker um den Maschinenpark. Anfang der 1950er-Jahre wurde die Nudel-Produktion stillgelegt. Das endgültige Aus von Wehrle & Co. kam im Jahre 1965. Mehr dazu gibt es demnächst in einem gesonderten Blog-Beitrag.

Wahlzettel zur Bürgermeister-Wahl 1917

Ein kleiner Zettel, der allerdings aufzeigt, wie früher gewählt wurde. Das Wahlprozedere erinnert eher an geheime Wahlen zu einem Vereinsvorstand, aber es geht hier tatsächlich um die Wahl eines Bürgermeisters. Das Dokument stammt aus dem Jahre 1917 als der Müller Anton Müllerleile zum Bürgermeister gewählt wurde. Er folgte auf den bereits erwähnten Johann Georg Griesbaum (Bürgermeister von 1884 bis 1905) und Anton Wangler vom Wanglerhof (Bürgermeister von 1905 bis 1917) in das Amt des Dörlinbacher Rathauschefs. Müllerleile war der zehnte von insgesamt 15 Bürgermeistern der einst eigenständigen Gemeinde Dörlinbach. Der letzte Chef im Rathaus an der Hauptstraße war der Kaufmann Josef Billharz (1911 bis 2004), der das Amt von 1957 bis zur Gemeindereform im Jahre 1974 inne hatte. Weitere Infos dazu unter Blog-Beitrag „Die Rathauschefs“ vom 9. Mai 2021. Anton Müllerleile (1854 bis 1923) von der Dorfmühle war bis zu seinem Tod, also sechs Jahre an der Gemeindespitze. Er heiratete im Alter von fast 31 Jahren Wilhelmina Fischer (1858 bis 1918), die ihm insgesamt 14 Kinder gebar. Vier Buben und zwei Mädchen starben bereits wenige Monate nach der Geburt und ein Mädchen im Kindesalter. Sechs der Kinder konnten als Erwachsene eigene Familien gründen und ein Mädchen, nämlich Rosina Müllerleile (1895 bis 1987) trat als Schwester Hermana in Mainz in einen nicht näher bekannten Orden ein.

Fotomotiv aus den 1940er-Jahren

Ein Foto das Rätsel aufgibt. Andere wiederum sind sich sicher, dass es sich hier nicht um ein Ochsengespann handelt. Das Bilddokument wurde unter anderem auch im Buch „Erinnerungen an vergangene Tag“ (Die Gemeine Schuttertal in alten Fotos 1850 – 1950) veröffentlicht. Und es war auch schon Teil verschiedener Ausstellungen. Nur mit der dabei verwendeten Erklärung beziehungsweise Bildunterschrift hadern manche Leute. Richtig ist jedenfalls, dass links vor dem Gespann Wendelin Kaspar (1912 bis 1981) aus dem Dobel zu sehen ist. Zweifel gibt es hingegen an der weiteren Bildbeschreibung, wonach sich das „stattliche Ochsengespann beim Bahnen im tiefverschneiten Dörlinbach“ befindet. Ob hier tatsächlich der Weg gebahnt wird ist dabei weniger relevant, aber die vermeintlichen Ochsen schon. Denn die Nachkommen von Wendelin Kaspar bestätigen übereinstimmend, dass ihr Vater nie Ochsen im Besitz hatte. Das Problem bei der Einordnung von Rindern ist eigentlich von Menschenhand gemacht. Am vertrautesten ist uns die Kuh. So wird das weibliche Rind nach dem ersten Kalben genannt. Sie wird nach der Geburt quasi zur Milchkuh. Deren Nachwuchs nennen wir zunächst Kalb. Hier und da hört man auch den Namen Kalbin. Dies hat jedoch nichts direkt mit dem Nachwuchs zu tun. Damit ist ein zuchtreifes weibliches Rind gemeint, dass noch nie Nachwuchs bekommen hat. Das geschlechtsreife männliche Rind wird in der Regel Stier genannt. In unseren Gegenden spricht man meist jedoch vom Bullen. Zu guter Letzt kommt der Ochse, der absolut keinen Nachwuchs zeugen kann. Das geschlechtsreife Rind wird kastriert und wird somit zum Ochsen. Durch die Kastration wird das Tier auch friedlicher und lässt sich vor allem gut vor einen Karren spannen. Wohl mit ein Grund, weshalb jedes Gespann vor einem Karren oder wie im besagten Fall vor einem Schlitten als Ochsengespann angesehen wird und wurde.

Bekanntmachung vom 25. August 1948

Ein Foto das Rätsel aufgibt. Andere wiederum sind sich sicher, dass es sich hier nicht um ein Ochsengespann handelt. Das Bilddokument wurde unter anderem auch im Buch „Erinnerungen an vergangene Tag“ (Die Gemeine Schuttertal in alten Fotos 1850 – 1950) veröffentlicht. Und es war auch schon Teil verschiedener Ausstellungen. Nur mit der dabei verwendeten Erklärung beziehungsweise Bildunterschrift hadern manche Leute. Richtig ist jedenfalls, dass links vor dem Gespann Wendelin Kaspar (1912 bis 1981) aus dem Dobel zu sehen ist. Zweifel gibt es hingegen an der weiteren Bildbeschreibung, wonach sich das „stattliche Ochsengespann beim Bahnen im tiefverschneiten Dörlinbach“ befindet. Ob hier tatsächlich der Weg gebahnt wird ist dabei weniger relevant, aber die vermeintlichen Ochsen schon. Denn die Nachkommen von Wendelin Kaspar bestätigen übereinstimmend, dass ihr Vater nie Ochsen im Besitz hatte. Das Problem bei der Einordnung von Rindern ist eigentlich von Menschenhand gemacht. Am vertrautesten ist uns die Kuh. So wird das weibliche Rind nach dem ersten Kalben genannt. Sie wird nach der Geburt quasi zur Milchkuh. Deren Nachwuchs nennen wir zunächst Kalb. Hier und da hört man auch den Namen Kalbin. Dies hat jedoch nichts direkt mit dem Nachwuchs zu tun. Damit ist ein zuchtreifes weibliches Rind gemeint, dass noch nie Nachwuchs bekommen hat. Das geschlechtsreife männliche Rind wird in der Regel Stier genannt. In unseren Gegenden spricht man meist jedoch vom Bullen. Zu guter Letzt kommt der Ochse, der absolut keinen Nachwuchs zeugen kann. Das geschlechtsreife Rind wird kastriert und wird somit zum Ochsen. Durch die Kastration wird das Tier auch friedlicher und lässt sich vor allem gut vor einen Karren spannen. Wohl mit ein Grund, weshalb jedes Gespann vor einem Karren oder wie im besagten Fall vor einem Schlitten als Ochsengespann angesehen wird und wurde.

Auto-Fotomotive aus den 1950er-Jahren

In der Tat war die Mobilität im hinteren Schuttertal noch nicht so stark motorisiert. Fotos von zwei Brüdern zeigen zwei Auto-Klassiker der Nachkriegsjahre, die auch in Dörlinbach ihre Liebhaber fand. Klein- und Kleinstwagen waren in jenen Jahren der Renner. Dazu gehörte beispielsweise das Gogomobil, meist nur Goggo genannt. Gegenüber den heutigen Fahrzeugen wirkt das Goggo wie ein Spielzeugauto. Aber im Vergleich zu Isetta und Kaninenroller hat es am ehesten wie ein richtiges Auto ausgesehen. Egal wie, Ernst Andreas Schätzle (Jahrgang 1934) war jedenfalls stolz auf seinen kleinen roten Flitzer, den er für alle sichtbar immer vor der Kellertüre vor seinem Elternhaus geparkt hatte. Schon wenige Jahre nachdem der Goggo im Jahre 1955 auf den Markt gekommen war, rollte eines der Modelle dank Ernst Schätzle auch durch Dörlinbach. Ernst Schätzles älterer Bruder Alois (1926 bis 2000) hatte als Schneidermeister ganz andere Autos im Blick. Von seinem ersten Auto mit Holzkarosserie, einem DKW, sowie dem nachfolgenden Lloyd LP300 (im Volksmund „Leukoplastbomber“ genannt) gibt es jedoch keine Fotodokumente mehr, aber von seinem legendären schwarzen VW Käfer schon. Wir haben ein Foto entdeckt, das Alois Schätzle in seinem VW Käfer beim Abbiegen von der westlichen Hub-Seite in die alte Landstraße zeigt. Ein überaus interessantes Fotodokument, denn darauf ist auch ein Bildstöckle zu sehen. Es ist zu vermuten, dass das Bildstöckle beim Ausbau der L102 weichen musste. Ob es noch existent ist und heute an einem anderen Ort steht, konnten wir von der Redaktion trotz intensiver Recherche bislang nicht herausfinden. Zurück zu den beiden Schätzle-Brüdern: Deren Vater Alois ist der bereits erwähnte Schneidermeister mit dem zweiten Motorrad im Dorf. Über den Beruf gibt es weitere Infos unter Blog-Beitrag „Das Schneiderhandwerk“ vom 5. August 2021. Zu den früh motorisierten im Ort gehörten unter anderem auch Joseph Hupfer (1911 bis 1978) mit einer Zündapp DB200 mit zwei Auspufftöpfen, die heute noch existiert. Adolf Deibel (1922 bis 2002) gehörte zu den wenigen Goggomobil-Fahrern im Ort. Ach ja, auch Isetta sah man damals im Straßenbild. Eine gehörte einem ehemaligen Dörlinbacher, nämlich Karl Edte (Jahrgang 1897 / ist 1923 nach Reichenbach gezogen), der oft bei seinen Verwandten und Bekannten in Dörlinbach mit seiner Isetta vorfuhr. Mehr zur Mobilität in Dörlinbach gibt es demnächst in einem gesonderten Blog-Beitrag.

Flyer und Einladungen aus den Jahren 1975, 1978 und 1983

In den 1970er- und 1980er-Jahren war der Rothweilerhof im Durenbach ein beliebtes Motiv für Einladungen, Flyer oder Plakate und Auszeichnungen. Unter anderem ist das Hofgut als Federzeichnung auf dem Deckblatt des Programm-Flyers anlässlich der 750-Jahr-Feier im August 1975 abgebildet. Das gleiche Motiv ist auch auf einem Flyer des Radfahrvereins „Schutterbund“ Dörlinbach abgebildet, mit dem der älteste Verein Dörlinbachs (gegründet 1907) zu den 2. Internationalen Volkswandertagen am Wochenende 22. und 23. Oktober 1983 einlud. Und das hatte einen ganz speziellen Grund, die Abbildung des Hofes war nämlich Teil der Auszeichnung, die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwandern konnten. Den Rothweilerhof (als Federzeichnung) gab es damals als Kupfer- oder Alueinlage auf einem Zinnteller. Der im Jahre 1629 erbaute Rothweilerhof ist übrigens durch einen Kaminschaden, der am 14. Juli 1990 einen verheerenden Brand auslöste, völlig zerstört worden.

Überhaupt waren Höfe sowie Kirche und Kapelle als Federzeichnungen stets willkommene Motive bei den Vereinen als auch der politischen Gemeinde und der Kirchengemeinde. Der Musikverein Dörlinbach entschied sich beispielsweise im August 1978 für den Fest-Flyer anlässlich seines 70-jährigen Bestehens für das sogenannte „s‘ Moritze Hus“ im Oberdorf. Es ist das älteste noch bestehende Haus im Ort. Errichtet als kleinbäuerliches Handwerkerhaus im Jahre 1734 von Johannes Neininger (1697 bis 1767) in Ständer-Bohlen-Bauweise. Neininger-Familien gibt es heute keine mehr in Dörlinbach. Ein Großteil der Neiningers wanderte nach Nordamerika aus und kam am 10. August 1841 bei einem Schiffsbrand auf der Eriesee ums Leben (siehe dazu Blog-Beitrag „Schicksale fern der Heimat“ vom 10. August 2021). Und bereits fünf Jahre später – im Mai 1983 – schaffte es „s‘ Moritze Hus“ erneut auf das Deckblatt einer Musiker-Festschrift. Diesmal anlässlich „75 Jahre Musikverein Trachtenkapelle Dörlinbach“.

Einladungs-Flyer vom Oktober 1980

Das Kapellchen auf dem Kappelberg ist ebenfalls Motiv verschiedener Flyer und Einladungen. Insbesondere natürlich wenn das kleine Gotteshaus auf seine eigene Geschichte zurückblickt. Abgebildet ist die Kapelle unter anderem auf dem Deckblatt eines Fylers anlässlich der Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Heiligtums auf dem Kappelberg im Oktober 1980. Das Kapellchen hat seit seiner Weihe am 16. Oktober 1955 viel erlebt und trug seither auch vielerlei Namen. Angefangen von der Faißt-Kapelle über die Kapelle der Rußlandheimkehrer, Kriegergedächtinskapelle und Gedächtniskapelle bis hin zur Marienkapelle. Mehr dazu kann im Blog-Beitrag „Die Gedächtniskapelle“ vom 13. März 2021, im Blog-Beitrag „Die 5. Infanterie- und Jäger- Division“ vom 4. Mai 2021 sowie auch im Blog-Beitrag „General-Verdacht im Schuttertal“ vom 25. August 2021 nachgelesen werden.

Werbung vom Juni 1989

Eine Werbung bei der ein Bierkrug im Mittelpunkt steht verrät uns, dass es in Dörlinbach tatsächlich einmal Bierstemm-Meisterschaften gegeben hat. Es ist ein Anhang aus der ersten Ausgabe des Amtlichen des Verkündigungsblatts im Juni 1989. Damit lud die Bremsdorfer Narrenzunft (BNZ) zu den zweiten Schuttertäler Bierstemm-Meisterschaften am 3. Juni in die Turn- und Festhalle nach Dörlinbach ein. Es sollten zugleich auch die letzten Meisterschaften dieser Art gewesen sein, da in den Folgejahren die Zunft keine weiteren Tanzveranstaltungen mehr in den Sommermonaten anbot. Wissenswertes zum Veranstalter können unter Blog-Beitrag „Bremsdorfer Narrenzunft (BNZ) Dörlinbach“ vom 17. März nachgelesen werden.

Werbung vom November 1996

Erneut wollen wir anhand eines Anhangs aus dem Amtlichen Verkündigungsblatt (erste Ausgabe im November 1996), wie früher das Amtsblatt der Gemeinde Schuttertal (heute: „Schuttertal aktuell“) betitelt wurde, auf ein spektakuläres Ereignis verweisen. Dabei geht es nicht um die Guggemusik-Festivals, bis bis heute – allerdings in anderer Form – Bestand haben. Beim 5. Internationalen Guggemusik-Festival am 9. November fand in der Dörlinbacher Festhalle die Wahl mit Krönung zur 1. Internationalen Guggemusik-Königin statt. Gekrönt wurde schließlich Claudia I. aus Willstätt. Zwei Jahre später wurde an gleicher Stelle Laila I. aus Eschbach gekrönt. Nach nur zwei Veranstaltungen war jedoch wieder Schluss. Miss-Wahlen dieser Art fanden seither keine mehr in Dörlinbach statt. Näheres zum Veranstalter siehe unter dem bereits erwähnten Blog-Beitrag zur BNZ oder unter Blog-Beitrag „Säcklistrecker Gugge“ vom 20. März 2021.

Plakat vom November 1996

Ein Plakat der Lahrer Zeitung vom November 1996 verweist auf eine traditionelle Veranstaltung hin, die vier Jahrzehnte fester Bestandteil im Jahreskalender war. Denn immer zum ersten Advent lud die Armenhilfe Argentinien zum sogenannten Dörlinbacher Missionsbasar ein. Ein Basar, der in der Region als einzigartig galt. Die  Erfolgsgeschichte begann 1969 in der Neuen Schule (heute: Grundschule) und endete 2009 in der Turn- und Festhalle. Die Erlöse kamen stets der Arbeit von Schwester Maria Fiatis Schätzle zu Gute, die 44 Jahre in der Mission in Südamerika tätig war. Die gebürtige Dörlinbacherin und Schönstätter Marienschwester verstarb im Juli 1993 in der argentinischen Landesmetropole Buenos Aires. Mehr Infos dazu gibt es unter dem Blog-Beitrag „Dörlinbacher Missionsbasar“ vom 1. Juli 2021 sowie auch unter Blog-Beitrag „Schwester Maria Fiatis Schätzle“ vom 15. Februar 2021.

Schenkungsurkunde vom Dezember 1997

Der DRK-Ortsverein Schuttertal hatte einst in seinem Fuhrpark einen alten Ford Transit, der seit September 1987 von der Dörlinbacher Bereitschaft genutzt wurde. Im Dezember 1997 entschloss sich der Ortsverein den Krankenwagen, Baujahr 1974, wieder abzugeben. Aber nicht an den Schrotthändler oder einen Oldtimer-Liebhaber. Das örtliche Rote Kreuz hatte ein viel bessere Idee, wovon eine Schenkungsurkunde zeugt. Der Transit wurde dem Caritasverband Vares in Bosnien-Herzogewina geschenkt. Dort war er willkommen für den Transport der Schüler aus den Dörfern um Vares herum zur Schule nach Przici. Es sei noch erwähnt, dass die bisherige Funktion des Ford Transits im Ortsverein Schuttertal schon Wochen vor der Übergabe ein gebrauchter VW-Bus übernommen hatte. Dieser VW-Bus, den das DRK vom Blutspendedienst in Baden-Baden erworben hat, ist bis heute noch immer im DRK-Ortsverein Schuttertal im Einsatz.

Zertifikat vom September 1998

Ein Zertifikat datiert auf den 00. September 1998 verweist auf das „Projekt 2000“, das jedoch ganz anders umgesetzt wurde, als zunächst geplant. Ein Pfarrzentrum sollte an das bestehende Pfarrhaus angebaut werden. Mit einem Saal dessen Fassungsvermögen mindestens 100 Personen umfassen sollte. Eigens dafür wurde ein Modell entworfen und es wurden Zertifikate für Bausteine in den Umlauf gebracht. Es sollte jedoch alles ganz anders kommen. Ein neuer Pfarrgemeinderat verwarf die Pläne des alten Pfarrgemeinderats. Statt des anvisierten Anbaus wurde vom neuen Gremium ein wesentlich kleinerer Pfarrsaal favorisiert. Der neue Pfarrsaal wurde etwas kleiner konzipiert und in das bestehende Pfarrhaus integriert. Im Januar 2003 wurde mit den Umbaumaßnahmen für das Pfarrhaus mit dem heutigen Pfarrzentrum begonnen.

Werbung vom Juni 1999

In Dörlinbach gab es kurz vor der Jahrtausendwende das Bestreben ein Dorffest zu etablieren. Und so kam es, dass die Vereinsgemeinschaft vom 26. bis 28. Juni 1999 zum ersten Brunnendorf-Fest auf den Ziegelhüttenplatz einlud. Ein Anhang aus dem Amtlichen Verkündigungsblatt erinnert uns an das damalige Festgeschehen, wozu unter anderem auch ein Gewinnspiel mit interessanten Preisen gehörte. Der mit dem Fest einhergehende „Brunnen-FuXX“ bezog sich natürlich auf die vielen Brunnen im Ort. Es war eigentlich ein rundum gelungenes Fest und somit eine gute Basis für nachfolgende Dorffeste. Doch es sollte letztlich ganz anders kommen. Das Brunnendorf-Fest 1999 blieb tatsächlich eine „Eintagsfliege“, in der Vereinsgemeinschaft konnte man sich damals nicht zu einer Fortsetzung durchringen.

Namenssuche in den 1990er-Jahren

Ein unscheinbarer Zettel weist darauf hin, dass in Dörlinbach wirklich ernsthaft mal nach einem Namen für die Turn- und Festhalle gesucht wurde. Rückblende: In Dörlinbach und im Nachbarort Schweighausen wurden in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre zwei Festhallen gebaut. Die Dörlinbacher Halle konnte im Juni 1984 eröffnet werden. Entgegen zu Schweighausen hatte Dörlinbach jedoch keinen Namen für seine Halle. Im sogenannten Bergdorf waren die Leute fixer und nannten ihre neue Begegnungsstätte „Bergdorfhalle“. In Dörlinbach gab es zwar immer wieder einmal Bestrebungen, der Mehrzweckhalle einen Namen zu geben, aber mit wenig Erfolg. Da Dörlinbach seinerzeit schon den Beinamen „Brunnendorf“ hatte, wurde auch mehrfach der Name „Brunnendorfhalle“ ins Gespräch gebracht (siehe dazu auch unter Blog-Beitrag „Brunnendorf Dörlinbach“ vom 10. April 2021). Aber trotz Aktionen in den 1990er-Jahren, wie solche Zettel bei Veranstaltungen an die Gäste auszuteilen – irgendwie konnte oder wollte man eine Namensgebung nicht umsetzen. Und so spricht man bis heute hier im Ort meist von der „Festhalle“ oder der „Turn- und Festhalle“.

Foto-Dokument von Flyer „Heimatlampe Dörlinbach“ aus dem Jahr 2002

Dieses Foto-Dokument ist einem Werbe-Flyer des Glaskunsthandels Bexon aus Aachen entnommen. Die Firma, die unter anderem Porzellanteller, Stehlampen und Fensterbilder fertigt, bot im Oktober 2002 in limitierter Auflage eine Heimatlampe mit Motiven aus Dörlinbach an. Laut Werbung ist es eine Heimatlampe aus Schmelzglas – nach einer uralten Technik hergestellt. Als Motive wählte die Firma die Kirche, das Rathaus, eine Ortsansicht und das Postamt. Mehr dazu kann unter Blog-Beitrag „Die Heimatlampe von Dörlinbach“ vom 7. April 2021 nachgelesen werden. Analog zum genannten Blog-Beitrag weisen wir noch einmal darauf hin, dass wir eine solche Lampe in Dörlinbach allerdings noch nie gesehen haben. Falls jemand vor rund 22 Jahren eine solche Lampe käuflich erworben hat und diese noch zu Hause stehen hat, würden wir uns freuen, wenn die betreffenden Personen uns dies mitteilen und uns vielleicht auch ein aktuelles Foto von der Heimatlampe zur Verfügung stellen würden.

Dies war ein erster kleiner Querschnitt durch die letzten drei Jahrhunderte zu Veranstaltungen, Ereignissen und Personen in unserem Ort. In regelmäßigen Abständen werden wir in weiteren Blog-Beiträgen anhand von alten Schrift- und Foto-Dokumenten weiter an vergangene Zeiten erinnern.

Veröffentlicht am 1. Oktober 2021 / red

Visuelle Impressionen zur Geschichte:

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